PG. 3Ws · Nr. 002

3Ws · Nr. 002 · 18. Juni 2026

Zwischen Wein, Sonnenbrand und Erkenntnissen.

Aber wir könnten doch vielleicht auch… · Trinkerterroir · Erfolg heißt, sich verzichtbar zu machen

Nr. 002 · Aus dem Urlaub

Dobro jutro,

ich schreib dir heute aus Rovinj. Sonne, Meer, ein Glas Vino — und trotzdem (oder gerade deshalb) drei Dinge, die mich diese Woche nicht losgelassen haben. Ein Lied, ein Schluck und ein Gedanke.

Los geht's.

01 · Wahnsinn

Aber wir könnten doch vielleicht auch…

Als großen Fußballfan würd ich mich nicht bezeichnen. Trotzdem steh ich um sechs Uhr auf, schau das Match und hör zum fünften Mal dieses Lied. Der Wahnsinn ist:

Mein Leben wird nicht besser oder schlechter, wenn Österreich gewinnt. Weltmeister werden will ich trotzdem.

Vielleicht sind genau das die schönsten Begeisterungen. Die komplett Irrationalen. Vernunft gegen Herz.

Gemma Burschen!

W · W · W
02 · Wein

Trinkerterroir.

Wer mich kennt, weiß es. Wer mich nicht kennt, weiß es gleich: Als Trinkerterroir bezeichne ich alles, was mitentscheidet, ob dir ein Wein schmeckt — außer dem Wein selbst. Das Essen, die Stimmung, das Wetter, die Gesellschaft. Das ganze Drumherum.

Das ist der Grund, warum derselbe Wein im Urlaub eine Offenbarung sein kann — und daheim plötzlich nur noch „kanalisiert“ wird. (Damit mein ich: wegschütten.)

Was mir hier unten bis jetzt am besten gefallen hat: ein Malvazija vom Weingut Benvenuti.

So stell ich mir einen Urlaubsflirt vor: herrlich am Meer — und nichts, das man mit nach Hause nimmt.
W · W · W
03 · Wort

Erfolg heißt, sich verzichtbar zu machen.

Als unser Sohn auf die Welt kam, haben wir von heute auf morgen — naturgemäß — 100 % Verantwortung übernommen. Alles. Jede Mahlzeit, jedes Nickerchen, jede Windel. Soweit so gut.

Aber hier im Urlaub ist mir etwas klar geworden: Unser ganzer Job als Eltern besteht eigentlich darin, diese Verantwortung Stück für Stück wieder herzugeben. Der erste Schritt allein. Irgendwann der erste Schulweg ohne uns. Dann eine eigene Wohnung. Und hoffentlich ruft er trotzdem noch manchmal an.

Erfolg als Eltern heißt nicht, unverzichtbar zu bleiben. Es heißt, sich Stück für Stück verzichtbar zu machen.

Puh. Das sitzt. Dauert ja noch ein bisschen — aber jemanden so zu lieben und ihn trotzdem loszulassen, wieder und wieder, immer ein bisschen mehr.

Darauf erstmal einen Malvazija.

Nächste Woche wieder. Wahrscheinlich vom Schreibtisch. Oder nicht.

— Pascal

Rovinj · 18.06.2026